Nordrhein-Westfalen | Warnstreiks legen ÖPNV lahm, Entspannung ab Dienstag in Sicht

Streik, Symbolbild

Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr müssen sich in Nordrhein-Westfalen weiterhin auf erhebliche Einschränkungen einstellen. Auch am Freitag und Samstag, 20. und 21. März, hat die Gewerkschaft Verdi ihre Warnstreiks ausgeweitet. Betroffen sind zahlreiche Städte, darunter auch Wuppertal.

Im Zentrum der Arbeitskampfmaßnahmen stehen erneut die Betriebshöfe der Verkehrsbetriebe. Dort werden Busse und Straßenbahnen gewartet, vorbereitet und für den nächsten Einsatztag bereitgestellt. Werden diese bestreikt, hat das unmittelbare Folgen für den Betrieb. Fahrzeuge können nicht eingesetzt werden, selbst dann nicht, wenn das Fahrpersonal eigentlich arbeitsbereit wäre.

Je nach Standort kann es daher zu massiven Einschränkungen kommen. Während in einigen Städten nur einzelne Linien betroffen sind, kann in anderen Regionen nahezu der gesamte Nahverkehr ausfallen. In größeren Städten mit mehreren Betriebshöfen besteht allerdings die Möglichkeit, dass zumindest ein eingeschränktes Angebot aufrechterhalten wird.

Am Freitag sind rund 20 Nahverkehrsunternehmen in NRW von den Warnstreiks betroffen. Dazu zählen unter anderem die Verkehrsbetriebe in Bonn, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Hamm sowie die Bogestra im mittleren Ruhrgebiet. Auch am Samstag gehen die Arbeitsniederlegungen weiter, dann bei etwa 14 Unternehmen, erneut mit Beteiligung großer Städte wie Köln, Düsseldorf und auch Wuppertal.

Teilweise führen die Streiks zu ungewöhnlichen Situationen. In Dortmund etwa dürfen selbst Mitarbeiter nicht arbeiten, obwohl sie es möchten. Hintergrund ist, dass bei bestreikten Betriebsteilen, etwa einzelnen Depots, der gesamte Ablauf blockiert wird und somit kein regulärer Dienst möglich ist.

Auch über das Wochenende hinaus könnten die Auswirkungen spürbar bleiben. Für Sonntag und Montag sind weitere Aktionen nicht ausgeschlossen. Für Montag, 23. März, hat beispielsweise die Nahverkehrsgewerkschaft NahVG bei der Düsseldorfer Rheinbahn zusätzliche Warnstreiks angekündigt. Dennoch rechnet das Unternehmen damit, einen Großteil der Linien bedienen zu können, wenn auch mit möglichen kurzfristigen Ausfällen, insbesondere im Kreis Mettmann.

Bereits am Donnerstag hatte ein groß angelegter Warnstreik in vielen Städten Nordrhein-Westfalens den Nahverkehr nahezu vollständig zum Erliegen gebracht. Busse und Bahnen standen vielerorts von früh morgens bis spät abends still. Ausnahmen bildeten unter anderem Münster und Aachen, die nicht Teil der laufenden Tarifverhandlungen sind.

Trotz der Streiks gibt es für Pendler Alternativen. S-Bahnen und Regionalzüge sind vom Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr nicht betroffen und verkehren regulär. Zudem setzen einige Städte auf private Subunternehmer, die vereinzelt Busverbindungen aufrechterhalten. Der ADAC empfiehlt darüber hinaus, auf Fahrgemeinschaften, Fahrräder oder Sharing-Angebote wie E-Scooter auszuweichen.

Hintergrund der Arbeitskämpfe sind festgefahrene Tarifverhandlungen. In Nordrhein-Westfalen sind mehr als 30 kommunale Verkehrsunternehmen mit rund 30.000 Beschäftigten betroffen. Die Gewerkschaft Verdi fordert unter anderem eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich, längere Ruhezeiten zwischen den Schichten sowie höhere Zuschläge für Sonntagsarbeit.

Der Kommunale Arbeitgeberverband NRW weist die Forderungen zurück und bezeichnet sie als unrealistisch. Angesichts der angespannten finanziellen Lage vieler Verkehrsbetriebe seien die Forderungen nicht umsetzbar.

Immerhin zeichnet sich kurzfristig eine Entspannung ab. Ab Dienstag, 24. März, sind vorerst keine weiteren Warnstreiks geplant. Während einer dreitägigen Verhandlungsrunde will Verdi auf Arbeitskampfmaßnahmen verzichten. Da neue Streiks üblicherweise mit einem Vorlauf von zwei Tagen angekündigt werden, gilt es als unwahrscheinlich, dass es bis mindestens Freitag, 27. März, zu weiteren Ausfällen kommt.

Für Fahrgäste bedeutet das, dass die Lage bis einschließlich Montag angespannt bleibt, sich der Nahverkehr danach aber vorübergehend wieder normalisieren könnte.

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