Der Aufstieg des FC Schalke 04 in die Bundesliga hat Gelsenkirchen am Samstagabend, in einen kollektiven Ausnahmezustand versetzt. Während tausende Fans den 1:0-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf feierten, war die Polizei mit einem Großaufgebot im Einsatz. Trotz einzelner Zwischenfälle fällt die Gesamtbilanz der Behörden positiv aus.
Bereits Stunden vor dem Anpfiff wurde deutlich, welche Dimension dieser Tag annehmen würde. Im Stadtteil Buer versammelten sich am Nachmittag tausende Schalke-Anhänger. Gegen 16.30 Uhr setzte sich ein Fanmarsch mit rund 20.000 Menschen in Richtung Arena in Bewegung. Immer wieder wurden dabei pyrotechnische Gegenstände gezündet. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz ein. Gegen 18.05 Uhr erreichte der Zug das Stadiongelände, sorgte jedoch zwischenzeitlich für erhebliche Verkehrsbehinderungen.
Die besondere Bedeutung des Spiels war nicht nur auf den Straßen, sondern auch im Stadion zu spüren. Als die Mannschaft am Abend an der Arena eintraf, wurde sie von den Fans frenetisch empfangen. Sprechchöre für Kapitän Kenan Karaman und Trainer Miron Muslic hallten durch die Menge. Auf dem Platz lieferte Schalke früh den entscheidenden Moment. In der 15. Minute traf Karaman nach Vorarbeit von Adil Aouchiche zur 1:0-Führung. Die Arena explodierte förmlich, der Jubel war kilometerweit zu hören. Weitere Chancen blieben ungenutzt, doch die Führung hielt bis zum Abpfiff und machte den Aufstieg perfekt.
Während der Partie kam es jedoch auch zu unschönen Szenen. Fans beider Mannschaften zündeten Pyrotechnik, Anhänger aus Düsseldorf warfen Feuerwerkskörper in Richtung der Schalker Kurve. Eine 31-jährige Frau wurde dabei schwer verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei nahm in mehreren Fällen Ermittlungen auf. Zudem versuchten Personen ohne Eintrittskarten, in den abgesperrten Bereich der Arena zu gelangen, weshalb Einsatzkräfte den Ordnungsdienst unterstützen mussten.
Nach dem Schlusspfiff entluden sich die Emotionen. Spieler und Fans feierten ausgelassen, Freudentränen flossen, die Mannschaft tanzte auf dem Rasen. Trainer Muslic kniete zunächst zum Gebet nieder, bevor er sich den Anhängern zuwandte. Kapitän Karaman zeigte sich tief bewegt und rang mit den Tränen. „Wir haben lange auf den Moment gewartet. Der Verein, die Stadt. Wir haben schwerere Jahre hinter uns. Unbeschreiblich, dass wir das geschafft haben. Ich bin unendlich stolz“, sagte er. Auch innerhalb der Mannschaft wurde die Bedeutung des Erfolgs deutlich. Verteidiger Timo Becker erklärte: „Mir bedeutet das alles. Dieser Verein steht immer zusammen. Irgendwie kommt man immer aus der Scheiße heraus. Das haben wir heute gezeigt.“ Trainer Muslic betonte die Verbindung zwischen Team und Fans: „Wir haben den Schalke-Fans etwas gegeben, was verloren war. Dieses Band zwischen Mannschaft und Anhängern.“
Auf den Straßen setzte sich die Feier fort. Tausende Menschen strömten nach Spielende durch Schalke-Nord und Buer, die Kurt-Schumacher-Straße wurde zeitweise komplett gesperrt. Auto-Korsos, Gesänge und Feuerwerk prägten das Stadtbild bis weit nach Mitternacht. Der öffentliche Nahverkehr musste zeitweise eingestellt werden, da sich zu viele Menschen auf den Gleisen aufhielten. Viele Fans mussten ihre Heimreise improvisieren.
Auch unter den Fans herrschte pure Euphorie. Ein Fan beschrieb die Atmosphäre mit den Worten:
„Super Stimmung, keine Steigerung mehr möglich. Dieser Moment war überwältigend, ich war sprachlos vor Freude. Es war der blanke Wahnsinn.“
Sandra – Fan
Andere Fans berichteten von einer „unbeschreiblichen“ Stimmung und einem „mega geilen“ Tag. Einige waren eigens aus anderen Regionen Deutschlands und sogar dem Ausland angereist, um diesen Moment zu erleben.
Trotz der ausgelassenen Feierlichkeiten blieb ein größerer Platzsturm aus. Lediglich ein 49-jähriger Mann verletzte sich schwer, als er versuchte, in den Innenraum zu gelangen. Zudem registrierte die Polizei vereinzelt Körperverletzungsdelikte im Verlauf der Nacht.
Einsatzleiter Karsten Plenker zog dennoch ein positives Fazit. Der Einsatz sei angesichts der emotionalen Lage und der Menschenmassen erfolgreich verlaufen. Auch Polizeipräsident Tim Frommeyer hob hervor, dass der Aufstieg nicht nur für den Verein, sondern für die gesamte Stadt eine große Bedeutung habe. Mit Blick auf die kommende Bundesligasaison kündigte er an, die Sicherheitskonzepte gemeinsam mit Stadt und Verein weiterzuentwickeln.
Erst gegen 1.00 Uhr beruhigte sich die Lage in Gelsenkirchen allmählich. Die Straßen leerten sich, der Bahnverkehr wurde wieder aufgenommen. Zurück bleibt ein Tag, der sportlich wie emotional in Erinnerung bleiben dürfte und eine Stadt, die für eine Nacht ganz im Zeichen von Königsblau stand.












